
Markt 11
Einen der am schönsten und aufwändigsten gestalteten Backsteingiebel des gesamten norddeutschen Raumes findet man
auf der Ostseite des Greifswalder Marktplatzes. Errichtet wurde der Giebel dieses stolzen Bürgerhauses etwa am Anfang des
15. Jahrhunderts, was Zeitlich in die Blüte des mittelalterlichen Städtebundes der Hanse fiel. Die meisten Kaufleute
der damaligen Hansestädte, reich geworden mit dem Handel im Ostseeraum, waren alles andere als bescheiden. Sie
präsentierten der Öffentlichkeit ihren erworbenen Reichtum unter anderem mit der Errichtung großer
Speicherhäuser, welche zudem meist mit einem sehr repräsentativ gestalteten Giebel ausgestattet wurden.
Aber auch heutzutage zieht dieses Bürgerhaus die Aufmerksamkeit der Besucher der Stadt Greifswald auf sich.
Aufgrund seiner Schönheit gehört es zu den am meisten fotografierten Sehenswürdigkeiten, welche sich in der
Greifswalder Altstadt befinden. Obwohl der äußerst aufwendig im Stil der norddeutschen Backsteingotik
gestalteten Pfeiler-Stufengiebel erst nach dem Jahre 1400 errichtet wurde, sind die Ursprünge des Bauwerks deutlich
älter. Es wurde zwischen Brandmauern errichtet, welche laut den archäologischen Forschungsergebnissen schon aus
dem 13. Jahrhunderts stammen sollen. Von der mittelalterlichen Bausubstanz ist aber nicht mehr viel übrig geblieben.
Das Haus wurde im Laufe der Jahrhunderte häufig umgebaut. So findet man beispielsweise auf der Hofseite des Hauses
einen schlichten Fachwerkgiebel vor, welcher um das Jahr 1700 herum errichtet wurde. Auch das Innere des Hauses, welches
in der Mitte des 19. Jahrhunderts im neogotischen Stil umgestaltet wurde, besitzt unter anderem ein breites imposantes
Treppenhaus mit aufwendig gearbeiteten Schnitzereien, welches ins Obergeschoss führt. Bestaunen kann man das Innere
des Gebäudes bei einem Besuch im
Caféhaus Marimar,
welches man heutzutage in den Räumlichkeiten des Hauses
finden kann.
Seine ganze Aufmerksamkeit sollte man aber dem Schaugiebel des Bauwerks widmen, welches es erst zu einer der schönsten
Sehenswürdigkeit von Greifswald macht. Die Fassade besitzt stufenförmige Hochblenden und Pfeiler, welche mit
vertikalen Maßwerkbändern besetzt wurden. Während bei den meisten Fassaden der Bürgerhäuser
nur Backsteine in einer Farbe verwendet wurden, kann man bei diesem Giebel die Verwendung von verschiedenen Backsteinen sehen.
So wurden bei der Fassadengestaltung einfache und grün glasiere Backsteine verwendet, welche abwechselnd vermauert wurden.
Die unglasierten Backsteine besitzen zudem ein sehr feingliedriges Profil, was die Struktur der Fassade aufwendig erscheinen
lässt. Die Luken der Speicherebenen wurden als Doppelluken ausgeführt, daneben befinden sich ähnlich
ausgeführte Doppelblenden. Über den Luken und Blenden befindet sich jeweils ein Spitzbogen, welcher mit
Krabben verziert wurde. In den Bögen wiederum findet man über den Fensteröffnungen feingliedrige Rosetten
aus Backstein. Auf den Giebelstufen befinden sich kleine Türmchen und Filialen, welche mit neogotischen Kreuzblumen
verziert wurden.