
das Rathausvon Greifswald
Ein Blickfang auf dem
Greifswalder Marktplatz
ist das in einem strahlenden Ochsenblutrot gestrichene Rathaus. Seitdem die Siedlung
Greifswald im Jahre 1241 das Recht erlangt hatte Märkte abzuhalten, nutzte man den Bereich des heutigen Marktplatzes für
diesen Zweck. Nach der Erlangung des Stadtrechts im Jahre 1250 begann man um das Jahr 1300 herum auf der westlichen Nordseite des
Marktes hölzerne Krämerbuden zu errichten, welche an die Händler vermietet wurden. In diesem Bereich des Marktes
wurde später eine Bebauung mit Häusern vorgenommen. Unter anderem wurde hier die Rats-Apotheke errichtet. Die erste
Erwähnung eines damals noch als Kophus bezeichnetet Gebäudes stammt aus dem Jahre 1349, also ungefähr hundert
Jahre nach der Verleihung des Stadtrechtes. In dieser Zeit diente das heutige Greifswalder Rathaus noch als eine Art Kaufhaus,
in welchem die Händler ihre Waren zum Kauf anbieten konnten. Die oberen Geschosse dienten zudem als Speicherböden, in
welchen man zusätzlich Waren lagern konnte. Einen großen Lagerraum für Fässer bot auch der große
Gewölbekeller, übrigens ist das der einzige Teil des Gebäudes, welcher noch aus dem Mittelalter stammt. An den
Außenwänden fanden die Bauhistoriker zahlreiche Hinweise darauf, dass man am Gebäude hölzerne
Überdachungen angebracht hatte, welche den darunter befindlichen Ständen der Händler einen Schutz vor
ungünstigen Wetterbedingungen boten. Während des Mittelalters besaß das Greifswalder Rathaus an beiden
Seitenflügeln offene Hallen, welche später geschlossen wurden.

die Rathaustür von Jo Jastram
Die erste Erwähnung des Hauses als Radhus stammt aus dem Jahre 1551, seit dieser Zeit werden in diesem Haus die Geschicke
der Stadt Greifswald bestimmt. Während des 18. Jahrhundert war das Greifswalder Rathaus gleich zweimal ein Opfer von
Bränden. Das erste Mal im Jahre 1713 während des Nordischen Krieges, das zweite Mal im Jahre 1736. Beim Wiederaufbau
im Jahre 1738 wurde das Aussehen des Gebäudes deutlich verändert. So wurde der vormals vorhandene Uhrenturm auf der
Westseite nicht wieder aufgebaut, dafür erhielt das Rathaus seinen barocken Dachreiter. Auch die beiden Giebelseiten
wurden baulich stark verändert. So wurden die dort vorhandenen offenen mittelalterlichen Arkaden zugemauert und schlichte
Barockgiebel geformt. Auch mehrere Gesimse trennen die Geschosse optisch voneinander. In den 30er Jahren änderte sich das
Aussehen des Rathauses wieder. Bei einer Umbau wurde die Halle auf der Ostseite wieder hergestellt und das breite Treppenhaus
im Inneren neu errichtet. Im Jahre 1966 erhielt die Greifswalder
Rathaustür
einen vom Rostocker Bildhauer Jo Jastram
gestalteten Beschlag aus Bronze, welcher die jüngere Geschichte der Stadt darstellt. Unter anderem die kampflose
Übergabe der Stadt an die Rote Armee, welche dafür sorgte, dass die Altstadt von Greifswald während des
zweiten Weltkrieges völlig unbeschädigt geblieben ist. Bei der Sanierung des Rathaus in den 90er Jahren erhielt
es nicht nur seine ochsenblutrote Farbgebung, sondern auch einige Umbauten. So wurden die Arkaden auf der Ostseite mit einer
Glasfront geschlossen und beherbergen seitdem, und da bin ich nicht allein in meiner Meinung, die wohl schönste
Tourismusinformation in ganz Deutschland.
Der Ratskeller beherbergt schon seit langem keine Gastronomie mehr, dafür
bietet er einen Platz Ausstellungen und eine schöne Kulisse für einen kunsthandwerklichen Weihnachtsmarkt. Den
schönsten Raum des Rathauses möchte man in seinem Leben nur einmal sehen, denn die ehemalige Ratsstube beherbergt
heutzutage das Standesamt. Der heutzutage als Trauzimmer genutzte Saal weist einen barocken Deckenstuck auf und gemalte Tapeten,
welche von Johann Albrecht Holtzeland als Grisailer-Malerei gestaltet wurden und aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen. Auf
den Bildern sind unter anderem biblische Szenen dargestellt, welche die Ratsherren an ihre Pflichten zum Wohle der Stadt erinnern
sollten.