
die Überreste vom Raventurm
Der runde Bau, welchen man an der nordwestlichen Ecke der Greifswalder Stadtmauer sehen kann, ist kein Wiekhaus, wie man es anhand
der optischen Erscheinung vielleicht annehmen könnte, sondern es handelt sich dabei um die Überreste des Raventurms.
Die Stadtmauer besaß früher einmal vier Wehrtürme. Allein der Fangenturm ist von diesen Wehrtürmen übrig
geblieben. Der Runde Turm und der Blaue Turm wurden vollständig abgerissen, vom Ravensturm findet man zumindest noch diese
sichtbaren Überreste. Die Errichtung des Raventurm auf der nordwestlichen Ecke der Stadtmauer war damals notwendig geworden,
da die Stelle, an welchen der Turm errichtet wurde, aufgrund der relativ rechtwinklig verlaufenden Mauern sehr schwer zu verteidigen
war. Die erste Erwähnung des Raventurms stammt aus dem Jahre 1352 und daher kann man mit Gewissheit sagen, dass dieser
Wehrturm erst sehr viel später als die eigentliche Stadtmauer errichtet wurde. Aufgrund der noch vorhandenen Bausubstanz
kann man auf die damaligen Ausmaße schließen. Ob der Raventurm aufgrund einer Baufälligkeit, oder aus anderen
Gründen abgetragen wurde, ist nicht bekannt, nur soviel dass dieses im 18. Jahrhundert vonstatten ging.

die Stadtmauer im Norden der Altstadt
Nachdem im Jahre 1264 der pommersche Herzog Herzog Wartislaw III. der Stadt Greifswald das Recht erteilte, eine Stadtmauer zu
errichten, welche zudem die Altstadt und die Neustadt umfassen sollte, wurde mit dem Bau der Befestigungsanlagen begonnen.
Archäologische Ausgrabungen haben ergeben, dass man an einigen Stellen zunächst nur einen Wall mit Palisaden errichtete,
bevor man mit der Errichtung der steinernen Mauer begann. Die Frage, ob solche Palisadenwälle schon davor existierten,
konnte bisher nicht eindeutig beantwortet werden, da die Überlieferungen aus dieser Zeit doch sehr lückenhaft sind.
Die Errichtung der Stadtmauer verlief für die damalige Zeit relativ zügig, denn schon ein paar Jahre später
findet man die ersten schriftlichen Erwähnungen einer steinernen Stadtmauer. Die Bauarbeiten waren etwa um das Jahr 1280
herum zum Großteil abgeschlossen. Die Greifswalder Stadtmauer war im Mittelalter deutlich höher als heute, sie
verfügte zudem über hölzerne Wehrgänge, Schießscharten und Zinnen auf der Mauerkrone. Die
Gesamtlänge der Mauer betrug damals etwa 2,1 Kilometer.
Das mittelalterliche Greifswald besaß insgesamt
vier Landtore, sowie fünf Seetore, welche sich alle auf der Nordseite der Altstadt befanden und zum Hafen der Stadt
führten, an welcher Stelle man heutzutage den Museumshafen vorfindet, sowie ein Nebentor im Osten. Von den fünf
Seetoren ist nichts mehr geblieben, sie wurden wie die anderen Stadttore in den letzten Jahrhunderten abgerissen. Wenigstens
die verlorenen Haupttore, leben in den Namen der heutigen Greifswalder Vorstädte und einigen Straßennamen weiter.
Das vierstöckige Fettentor befand sich im Westen der Altstadt, das Fleischertor im Süden, das Mühlentor wiederum
im Osten und das Steinbecker Tor befand sich im Norden. Die Stadttore wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts abgerissen. Im Jahre
1833 wurde das Steinbecker Tor im Stil des Klassizismus neu errichtet und überstand wie die gesamte Greifswalder Altstadt
den zweiten Weltkrieg unbeschadet. Aufgrund eines stärkeren Verkehrsaufkommens wurde das Tor im Jahre 1951 abgerissen.

Wohnen in der Mauer in Greifswald
Aber auch große Bereiche der Stadtmauer wurden während des 19. Jahrhunderts abgerissen oder stürzten wie der
Abschnitt im Osten aus Baufälligkeit ein. Der nördliche Mauerabschnitt und die dort vorhandenen fünf Seetore
fielen einem Abriss zum Opfer, welcher das Bollwerk des Stadthafens vergrößerte. Das einzige Überbleibsel der
Stadtmauer in im Bereich des Hafens ist der Fangenturm, welcher auch den nordöstlichsten Punkt der mittelalterlichen
Stadtbefestigung markiert. Im Westteil der Stadt, in welcher man eher die Häuser ärmeren Bürger finden konnte,
begann man im Bereich der Hirtenstraße kleine Häuser an der Stadtmauer zu errichten. Um günstiges Baumaterial
für die Häuser zu gewinnen wurde die Stadtmauer, welche zudem die Rückwand der neuen Häuser bildete,
teilweise abgetragen und verlor somit einen Teil ihrer ursprünglichen Höhe. Diese Häuser existieren nicht mehr,
denn sie wurden wegen Baufälligkeit abgerissen. An ihren vormaligen Standorten errichtete einen Neubau unter dem Titel
Wohnen in der Mauer, welcher sogar einen Landesbaupreis errang.

Reste eines Wiekhauses
Wie viele andere Städte in der Region besaß auch die Hansestadt Greifswald mehrere Wiekhäuser, welche für
die bessere Verteidigung an besonders gefährdeten Bereichen der Stadtmauer errichtet wurden. Insgesamt besaß die
mittelalterliche Stadtbefestigung von Greifswald einmal elf Wiekhäuser. Heutzutage findet man aber nur noch drei Exemplare vor,
welche zudem alle eine halbrunde Form besitzen. Eines der erhalten gebliebenen Wiekhäuser befindet sich im Südwesten der
Altstadt in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die anderen beiden Wieckhäuser befinden sich im nordwestlichen Abschnitt der
Stadtmauer. Um sie sehen zu können muss man sich von der Langen Straße in Richtung Tierpark begeben. Auf der rechten
Seite des Weges befindet sich eines der Wiekhäuser, das andere befindet sich am Gelände der Credner-Anlage, welche von
der ehemaligen Stadtmauer im Süden begrenzt wird. Die meisten der Wiekhäuser, genauer gesagt sechs, befanden sich im
Südwesten zwischen dem Vettentor und dem Fleischertor, zwei weitere gab es zwischen dem Ravenstor und dem Vettentor.
Auf der Ostseite befanden sich zwei weitere und das elfte Wiekhaus war ungefähr auf der Höhe des Grauen Klosters, in
welches sich heute das Pommersche Landesmuseum befindet.