
Weißenbornsches Haus
Wenn man vor diesem heutzutage unter dem Namen Weißenbornsches Haus bekannte Wohnspeicherhaus steht, dann ist den wenigsten Leuten
überhaupt bewußt, daß es sich um den größten Speicherbau handelt, welcher während der Zeit des Mittelalters
im gesamten südlichen Ostseeraum errichtet worden ist. Das heutige Aussehen erhielt das Haus bei einem Umbau im Jahre 1861, bei der die
Fassade im neogotischen Stil umgestaltet wurde. Auch einige andere bauliche Veränderungen wurden vorgenommen, wobei aber die
ursprüngliche Anzahl der Etagen erhalten geblieben ist. So besaß das Haus zwei Geschosse über denen sich sieben
weitere Speicherböden befanden. Diesen Umbau ließ der damalige Eigentümer Johann Philipp Hermann Weißenborn,
einem reichen Greifswalder Kornhändler, welcher auch das Schloss Ludwigsburg besaß, durch den Greifswalder Stadtbaumeister
Moritz Becherer durchführen. Im Laufe der Zeit erfuhr das Gebäude zahlreiche Umbauten, aber der Dachstuhl stammt schon aus
der Mitte des 14. Jahrhunderts.
Auffällig ist die fast identische Höhe des Giebels mit der des Greifswalder Rathauses, welches
sich schräg gegenüber befindet. Die beeindruckenden Dimensionen des Hauses zeugen von dem Reichtum und dem Selbstbewußtsein
der Erbauer. Auf dem Hof des Gebäudes kann man noch einige weitere Speichergebäude sehen, welche zu dem ursprünglichen
Ensemble gehören. Einzig der Kemladen, welcher ich an der Straßenseite befand, ist nicht erhalten geblieben.
Ein Dunkles Kapitel der Stadtgeschichte spielte sich in den Kellerräumen des Hauses ab, denn dort wurde in der Silvesternacht
des Jahres 1462 der Gründer der hiesigen Universität Heinrich Rubenow kaltblütig ermordet.