Man liest zwar öfters einmal, dass das Kap Arkona der nördlichste Punkt der Insel Rügen sein soll. Diese weitverbreitete Aussage stimmt aber so ganz nicht, denn der nördlichste Punkt befindet sich etwas weiter westlich beim sogenannten Siebenschneiderstein an der Steilküste des Gellort. Seit der Aufhebung des militärischen Sperrgebietes ist das Kap Arkona inzwischen wieder zu einem beliebten Ziel für einen Tagesausflug auf der Insel Rügen.
Das Kap Arkona ist ein verkehrsberuhigtes Gebiet. Daraus resultiert, dass man als Tourist nur bis nach Puttgarten fahren kann und
dort sein Auto auf dem Parkplatz abstellen muss. Des Rest des Weges kann man entweder zu Fuß gehen oder mit der
Arkonabahn fahren. Die Arkonabahn ist ein mit Gas betriebenes Fahrzeug, welche äußerlich etwas an eine Eisenbahn
erinnert. Diese Bahn hat insgesamt zwei Ziele, welche sie von Puttgarten aus ansteuert. Zum einen ist es das Kap Arkona,
zum anderen das kleine Fischerdörfchen Vitt. Man kann das Kap Arkona auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln
erreichen. Der RPNV ist sehr gut ausgebaut, so dass man quasi aus jeder Ecke von Rügen dorthin gelangen kann.
Besucher von außerhalb fahren am besten bis zum Bahnhof von Bergen. Von dort aus läuft man direkt zum
Busbahnhof der Stadt und kann dann mit einer direkten Verbindung nach Puttgarten gelangen.
Vom 6. bis zum 12. Jahrhundert besiedelte der slawische Stamm der Ranen die Insel Rügen. Am Kap Arkona errichteten sie eine Tempelburg, welche dem vierköpfigen Gott Swantewit gewidmet wurde. Die Tempelburg wurde an drei Seiten durch die Steilküste geschützt, die vierte Seite wurde mit einem Burgwall gesichert, dessen Überreste heute noch zu sehen sind. Im Jahre 1186 wurde die Burg bei der Christianisierung Rügens durch den dänischen König Waldemar I. belagert, erobert und anschließend zerstört. Durch die Kraft des Meeres brach immer wieder ein Stück von der Steilküste ab, so dass heutzutage nicht mehr viel von der ursprünglichen Anlage zu sehen ist.
Einer der ältesten Leuchttürme an der Ostseeküste ist der nach seinem Architekten Karl Friedrich Schinkel
benannte Schinkelturm, welcher im Jahre 1828 seinen Betrieb aufnahm. Der dreigeschossige Leuchtturm ist mit einer Höhe
von etwa 19,3 Metern nicht unbedingt sehr groß geraten, aufgrund seiner Lage auf der Steilküste ist die Feuerhöhe
trotz allem über 60 Meter. Heutzutage beherbergt der Schinkelturm ein kleines Museum, in welchem das Schaffen von
Karl Friedrich Schinkel sowie die Leuchttürme an der deutschen Ostseeküste präsentiert werden, sowie
eine Außenstelle eines
Standesamtes, denn man kann auch in diesen historischen Mauern den Bund der Ehe schließen. Ein schönes Detail an
diesem Bauwerk sind die liebevoll gestalteten gusseisernen Treppen, mit denen man zur Spitze des Leuchtturmes gelangen kann.
Im Jahre 1902 wurde direkt neben dem Schinkelturm ein weiterer Leuchtturm errichtet. Er ist mit 35 Metern fast doppelt so groß wie sein kleinerer Vorgänger. Er ist massiv aus Ziegelsteinen gemauert und besitzt einen achteckigen Sockel aus Granit. Der Leuchtturm ist heutzutage immer noch in Betrieb und sendet alle siebzehn Sekunden drei Blitze aus. Der Aufstieg zur Spitze des Leuchtturmes ist auch für Leute mit Höhenangst kein Problem, da die Stufen gemauert sind und nicht wie bei anderen Vertretern seiner Art aus Gusseisen gefertigt wurden.Von der Spitze des Leuchtturms hat man einen wunderbaren Überblick über das Kap Arkona.
Der dritte Turm von Kap Arkona ist der für den Zweck eines Seefunkfeuers erbaute Marinepeilturm. Im Jahre 1927 wurde er aus Ziegelsteinen
gemauert um die Navigation für die Fährverbindungen vor der Ostseeküste von Rügen zu verbessern. 1945 wurde die
technischen Anlagen des Peilturms zerstört. Heutzutage beherbergt dieser Turm verschiedenste Ausstellungen. So werden unter
anderem einige Fundstücke aus der benachbarten slawischen Jaromarsburg und Werke verschiedener zeitgenössischer Künstler ausgestellt.
Von der Spitze des Peilturmes hat man einen guten Blick auf die noch vorhandenen Wälle der Jaromarsburg und kann die Steilküste bis zum
Fischerdörfchen Vitt überblicken.
Etwas westlich der der Leuchttürme findet man die Königstreppe. Ursprünglich stand an dieser Stelle eine Feuerbake,
welche der schwedische König Friedrich I an der damals als Königsteig bezeichneten Stelle errichten lies. Diese Feuerbake
war der Vorgängbau des Schinkelturms. Im Jahre 1833 ließ der preußische König Friedrich Wilhelm III an der
Stelle eine Treppe und einen Anleger errichten. Mit der Gründung der Seebäder auf der Insel Rügen wurde auch das
Kap Arkona zu einem beliebten Ausflugsziel der Besucher, welche mit Ausflugsdampfern am Anleger festmachten und die Stufen der
Treppe erklommen. Bei einer Sturmflut im Jahre 1953 wurde die Treppe zerstört und erst wieder im Jahre 1995 an der selben
Stelle wieder aufgebaut. Wenn man heutzutage die 230 Treppenstufen hinabsteigt und so die 42 Meter Höhenunterschied
bewältigt hat, kann man von dort aus an der Steilküste Richtung Westen wandern. Diese Wegstrecke ist aber nur
für Leute geeignet, welche gut zu Fuß sind, denn am Fuß der Steilküste besteht der Stand nur aus
relativ großen Gesteinsbrocken, welche eine Wanderung recht beschwerlich lassen werden.
Mit einer Masse von 165 Tonnen und einem Volumen von 61 Kubikmetern ist der Siebenschneiderstein zwar nur der
viertgrößte Findling auf
der Insel Rügen, aber aufgrund seiner Position von etwa 30 Metern vor der Steilküste des Gellort markiert
dieser große Findling den nördlichsten Punkt der Insel Rügen. Diese markante Stelle kann man entweder erreichen
indem man den beschwerlichen Weg am Strand der Steilküste von der Königstreppe aus nimmt, oder den Wanderweg oberhalb
der Steilküste nimmt, von dem man einen schönen Blick auf das Meer hat, und dann den vorhandenen Abstieg am Gellort nimmt.
Der Siebenschneiderstein ist auch ein beliebtes Motiv für Erinnerungsbilder an den Ausflug zum Kap Arkona.
Am Kap Arkona befinden sich zwei Bunkeranlagen. Die kleinere Anlage stammt von der Wehrmacht. Die größere
Anlage wurde zwischen 1979 und 1986 errichtet und war ein Gefechtsstand der 6 Flottille der Volksmarine und der
Baltischen Flotte der sowjetischen Marine. Interessant an dieser Sache ist, dass die DDR nur drei Flottillen hatte
und in der Öffentlichkeit nur so tat als ob sie über größere Streitkräfte verfügte.
Unter größter Geheimhaltung wurde auch der Arkona-Bunker erbaut, indem das gesamte Kap Arkona zu einer
Sperrzone erklärt und für den Tourismus gesperrt wurde.
Der Marineführungsbunker am Kap Arkona
ist ein relativ einfacher und
Typ und hätte eine schwere Bombardierung nicht überstanden. Gepfuscht wurde beim Bau zudem auch noch,
weil der Grundwasserspiegel nicht beachtet wurde und so immer das Wasser in den Gängen stand. Deshalb wurde
nachträglich der Fußboden mit Zement aufgefüllt, weshalb die daraus resultierende Durchgangshöhe
der Gänge deutlich niedriger ausgefallen ist, als eigentlich notwendig gewesen wäre. Diese Bunkeranlage kann
bei einer Führung besichtigt werden, bei der die Geschichte der Anlage erzählt wird. In den größeren
Räumen des Bunkers findet man eine Ausstellung über die sechste Flottille der DDR, welche diese Anlage am Kap
Arkona betrieben hatte.
Zum kleinen Fischerdörfchen Vitt kann man entweder den Wanderweg nehmen, welcher sich auf der Kante des Steilküste befindet.
Von dort aus hat man einen schönen Blick auf den Burgwall der Jaromarsburg. Der andere Weg führt am Fuße der
Steilküste entlang. Dorthin gelangt man über die Veilchentreppe, welche ihren Namen nach den vielen Veilchen erhalten
hat, welche in der Umgebung der Treppe zu finden sind. Nach den Berichten von Saxo Grammaticus war Vitt schon seit dem zehnten
Jahrhundert der Handelshafen der slawischen Tempelburg. Heutzutage steht das gesamte Dorf mit seinen alten reetgedeckten
Häusern unter Denkmalschutz. Sehenswert ist auch die im Jahre 1806 nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel
erbaute achteckige Kapelle, welche durch eine Initiative von Ludwig Gotthard Kosegarten entstanden ist. Er hielt unter
freiem Himmel seine Predigten, an denen auch interessierte Besucher der Insel teilnahmen. Aufgrund des starken Anstiegs
der Besucherzahlen war es damal notwendig geworden, eine Möglichkeit zu haben, wo er bei schlechtem Wetter seine
Predigten halten konnte.
Es gibt einige interessante Ausstellungen am Kap Arkona. Sollte man alle angebotenen Austellungen besuchen wollen, dann sollte man sich die Kap-Karte kaufen. Es steht zwar jedem frei für jede der angebotenen Ausstellungen einzeln zu bezahlen, aber durch die Nutzung dieser Karte kann man in diesem Fall noch etwas Geld sparen. Mit der Kap-Karte bekommt man den Zutritt zum Burgwall, kann die beiden Leuchttürme besteigen, die Ausstellungen im ehemaligen Peilturm und in der Nebelsignalstation das Museum zur Seenotrettung besichtigen. Man kann auch eine der stündlich stattfindenden Führungen durch den Marinedführungsbunker zur Geschichte der 6. Flottille und der Bunkeranlage der mitmachen. Zudem bekommt man mit dieser Karte Rabatt in den Läden im historischen Gutshof von Putgarten. Die Fahrten mit der Arkona-Bahn und die Ausstellung im kleinen Bunker sind aber nicht im Angebot dieser Karte enthalten. Am Kap Arkona findet man auch einige kleinere Galerien wie das Künstlerhaus am Kap Arkona oder die Galerie mehrsehen, in denen zeitgenössische Künstler ihr Werke ausstellen. Komplettiert wird das Angebot durch die Kulturscheune in Putgarten.