
Ferdinand-von-Schill-Denkmal
Die Reaktion der Sieger war dann recht rücksichtslos und blutig. Einige Soldaten und Offiziere wurden vor einem Kriegsgericht zum Tode, weitere sechshundert Soldaten wiederum für ein paar Jahre zum Dienst auf Kriegsgaleren verurteilt. Die Leiche von Schill wurde aber als Zeichen der Rache geschändet. Dem leblosen Körper wurde der Kopf abgetrennt und zum König von Westfahlen geschickt, der Rest namenlos und ohne Sarg auf dem Friedhof St. Jürgen verscharrt. Wahrlich kein schöner Tod für einen glühenden Patrioten wie von Schill, welcher aufgrund seiner eigenmächtigen Handlungen noch für lange Zeit als Hochveräter galt. Die Ehrung durch ein eigenes Denkmal erhielt Ferdinand von Schill aber erst zu seinem hundertsten Todestag, an welchem dieses feierlich eingeweiht wurde. Für die Errichtung wurde eine große Sammlung durchgeführt, um ein würdiges Denkmal bezahlen zu können. Den Wettbewerb um die Gestaltung der Bronzestatue gewann der aus Berlin stammende Bildhauer Hans Weddo von Glümer, der ein Denkmal entwarf, welches von Schill in seiner Uniform zeigt. Es befindet sich direkt an der Sarnowstraße inmitten einer kleinen Grünanlage.
Im Nordosten des Neuen Markts von Stralsund befindet sich ein auffälliger Stein im Pflaster. Man muss aber schon die Augen aufmachen, wenn man über den belebten Platz läuft, um diesen besonderen Stein zu entdecken. Auf den ersten Blick wirkt der Stein recht belanglos, wenn man aber die Geschichte betrachtet, welcher hinter diesem steht, dann erinnert dieser Sühnestein an an ein recht dunkles Kapitel in der Stralsunder Geschichte. Während des frühen Mittelalters waren blutige Fehden an der Tagesordnung, und so ist nicht verwunderlich, daß eine solche Fehde hinter dieser Auseinandersetzung steckt. Im Jahre 1407 kamen der Rat der Stadt Stralsund und der Kirchherr der Nikolaikirche Kurt Bonow in einen Streit, welcher um die Einnahmen der Kirchen ging. Der Stadtrat wollte das Geld lieber in der Stadt halten und gab einen Erlaß heraus, welcher die Spenden an die Kirche beschränkte. Dieses wollte sich Kurt Bonow aber nicht gefallen lassen und lies die Stralsunder Feldmark plündern. Dabei wurde aber nicht nur das Vieh von der Weide gestohlen und viele Häuser abgebrannt, sondern auch viele der Bauern getötet. Und da man zu der damaligen Zeit nicht unbedingt zimperlich mit seinen Gegnern umging, war die Reaktion der Stralsunder Bürger genauso brutal. Drei Geistliche der Stralsunder Kirchen wurden als Strafe auf dem Neuen Marktplatz auf einem Scheiterhaufen verbrannt.
Die Reaktion des Schweriner Bischofs, der die Oberhoheit über die Kirchen von Stralsund hatte, war sehr hart, denn er belegte die Stadt mit einem Bann. Da recht hohe Zahlungen an den Vatikan nichts gegen diesen Bann ausrichten konnten, waren die Stralsunder Bürger letztendlich doch dazu gezwungen, sich der Rechtsprechung des Bischofs zu unterwerfen. Dieser verfügte unter anderem den Bau der Appollonienkapelle, welche sich neben der Marienkirche befindet. Außerdem mussten die Stralsunder Bürger einen Sühnestein an der Stelle des Scheiterhaufens anbringen, welchen man heutzutage dort noch immer vorfinden kann. Die Ironie an der ganzen Geschichte ist die Tatsache, daß die zusätzlich auferlegte Geldstrafe und die Schäden durch die Fehde in absolut keinem Verhältnis zu dem durch den damaligen Erlass einsparbaren Geldes standen. Wenigstens wurde das Geld der Stralsunder Bürger durch den Bischof gut angelegt, denn er verwendete die hohen Strafzahlungen, um den Dom in Schwerin weiter auszubauen.