Wallensteintage
Wallensteintage StralsundGeschichte
Zehn Jahre währte der dreißigjährige Krieg schon, als sich der pommersche Herzog Bogislaw XIV. verpflichten musste, in Stralsund eine Garnison der kaiserlichen Truppen zu stationieren. Da Stralsund aber kein Interesse an einer Einquartierung der Soldaten hatte, wurde die Bürgerwehr auf 5000 Mann aufgestockt und die Stadtmauern verstärkt. General von Arnim belagerte darauf hin die Stadt und besetzte den Dänholm, wodurch die Stadt Stralsund von der Lebensmittelzufuhr abgeschnitten war. Währenddessen liefen geheime Verhandlungen zwischen dem Bürgermeister der Stadt und dem schwedischen König über einen Beistandspakt. Schließlich erschien am 26.Juni auch General Wallenstein auf dem Schlachtfeld.
Und wenn die Stadt mit Ketten am Himmel befestigt ist, so werde ich sie dort herunterholen. Diesen Satz soll er ausgerufen haben, als sich die im Jahre 1628 vom 13. Mai bis zum 21. Juli belagerte Hansestadt Stralsund sich nicht den kaiserlichen Truppen ergeben wollte. Lieber setzte man auf die militärische Hilfe aus Schweden und Dänemark, welche das Kriegsglück zugunsten von Stralsund wenden konnten.General Wallenstein war eigentlich schon kurz davor gewesen die Mauern der Stadt erfolgreich zu erstürmen, als Stralsund mit den während der Scheinverhandlungen in die Stadt eingeschmuggelten zusätzlichen schwedischen und dänischen Truppen, den Spieß einfach umdrehte und Wallenstein eine schmachvolle Niederlage bereitete. Die kaiserlichen Truppen mussten sich der Übermacht geschlagen geben und schmachvoll das Feld räumen. Vom hohen Kirchturm der Nikolaikirche erklangen dabei verhöhnende Lieder, welche sich der gedemütigte kaiserliche General bei seinem Abzug anhören musste. Das sogenannte Hohnblasen, welches an diesen Abzug erinnert, findet immer zu Beginn der Feierlichkeiten statt.
Stralsund hatte für den Sieg über die kaiserlichen aber einen hohen Preis zu entrichten. Für die Schweden stand von nun an nicht nur der Hafen der Stadt offen, sondern auch eine große Anzahl schwedischer Soldaten mussten in der Stadt untergebracht und verpflegt werden. Zudem verwüstete der dreißigjährige Krieg ganze Landstriche und beschleunigte letztendlich auch den Untergang des einst so mächtigen Städtebundes der Hanse. Das erste Volksfest bei dem der Sieg über die Truppen von General Wallenstein gefeiert wurde, fand schon im Jahr des Sieges statt. Die Wallensteintage wurden seitdem mit einigen Ausnahmen in jedem Jahr veranstaltet.
Wallensteintage
Festumzug der WallensteintageAuf den Wiesen vor den Sundterassen findet man in jedem Jahr das schwedische Landsknechtlager. Dort haben als schwedische Söldner Stralsunder Laienschaupieler ihre Zelte aufgeschlagen und präsentieren den Besuchern der Wallensteintage das doch recht derbe Leben in einem der Feldlager in der damaligen Zeit. Es werden den interessierten Gästen auch einige Vorführungen von Schaukämpfen mit den damals gebräuchlichen Waffen geboten und auch hin und wieder eine der Kanonenkugeln abgefeuert.
Mittelaltermarkt der Wallensteintage
Abgerundet wird die stark mittelalterlich angehauchte Atmosphäre dieser Veranstaltung durch die Vorführungen der verschiedenen Gaukler und Narren, welche dem Publikum ihre Kunststücke präsentieren sowie den Klängen mittelalterlicher Musik, welche den ganzen Tag über auf der Bühne gespielt wird. Ein Höhepunkt der Feierlichkeiten auf dem Alten Markt ist zweifelsfrei auch das Barockfeuerwerk, welches immer am Samstag stattfindet und den Himmel über Stralsund in ein eindrucksvolles und farbenprächtiges Lichtermeer verwandelt.
Auch in den Straßen in Richtung der Hafeninsel findet man viele Stände vor, an welchen man bei den Händlern eher mehr neumodischere Waren und Produkte erwerben kann. Im Hafen von Stralsund geht es auch deutlich unmittelalterlich vor, denn dort findet man auf der großen Freifläche zwischen dem Ozeaneum und der Gorch Fock einen großen Rummel mit zahlreichen Fahrgeschäften und Buden vor. Der Norddeutsche Rundfunk hat dort in jedem Jahr auch seine eigene Showbühne mit Biergarten, auf der das Publikum mit eher modernerer Musik unterhalten wird. Sollte man sich während der Wallensteintage in der Region aufhalten, dann sollte man es sich nicht nehmen lassen, an einem der vier Tage das Volksfest zu besuchen. Wobei ich dann eher den Freitag mit dem Festumzug durch die Stadt und dem nächtlichen Pestzug, oder den Samstag mit dem großen Barockfeuerwerk am Abend bevorzugen würde.
