
Marienkirche Wismar
Von der einstigen Pracht der ehemaligen Wismarer Ratskirche zeugt heutzutage nur noch der erhalten gebliebene Kirchturm,
welcher mit seiner Höhe von gut achtzig Metern der höchste Kirchturm in der Hansestadt Wismar ist. Bei den britischen
Bombenangriffen im April des Jahres 1945 wurde das Kirchenschiff der St. Marienkirche schwer beschädigt. Nach dem Krieg sollte
die Kirche eigentlich wieder aufgebaut werden, was aber durch eine Sprengung des Kirchenschiffes im Jahre 1960 verhindert wurde. Die
Proteste der Bevölkerung wurden bei dieser Anweisung völlig ignoriert, so dass die Stadt Wismar ihr bauhistorisch
bedeutendstes und zugleich schönstes Kirchengebäude verlor. Da seit Jahrhunderten die Kirchtürme der alten
Hansestädte für die Seefahrer zur Orientierung genutzt werden, blieb zumindest dem Kirchturm das Schicksal des
Abrisses erspart. Bei der Sprengung der Kirche wurden auch einige historisch wertvolle gotische Häuser in der Umgebung
abgerissen, so dass im näheren Umfeld des Kirchengebäudes eine relativ große Baulücke geschaffen wurde.

Denkmal in der Marienkirche Wismar
Nach der Wende begann man mit der Sanierung des Kirchturms, in welchem man derzeitig eine kleine Ausstellung über die
Geschichte der St. Marienkirche zu Wismar finden kann. Der Höhepunkt dieser Präsentation ist ein 3-D-Film, in welchem
man vieles Interessantes über die Backsteingotik im Allgemeinen und die Errichtung der Marienkirche sehen kann. Dieser Film ist
von seinen Machern zudem so konzipiert worden, dass er nicht nur für Erwachsene geeignet, sondern auch für Kinder
interessant ist. Die animierte Darstellung der Baugeschichte ist zudem interessant, weil man sehr gut sehen kann, wie über
der ursprünglich vorhandenen Hallenkirche, welche schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet wurde,
eine imposante gotische Basilika errichtet wurde, welche die Marienkirche von Lübeck zum Vorbild hatte. Von der
ursprünglichen Kirche blieben nur der Kirchturm und die Seitenkapellen erhalten geblieben. Der Kirchturm wurde aber
auf achtzig Meter erhöht und erhielt, wie es damals üblich war, einen hohen spitzen gotischen Turmhelm, welcher
aber mehrfach durch Unwetter zerstört wurde, bis er im 17. Jahrhundert seine heutige Form erhielt. Um den Besuchern
die ursprüngliche Größe der Kirche aufzuzeigen, wurde damit begonnen, die Grundmauern der Kirche wieder zu
errichten, so dass man bei einer Begehung des Areals des ehemaligen Kirchenschiffes eine ungefähre Vorstellung vom
Grundriss der Kirche erhalten kann. Für die interessierten Besucher besteht auch die Möglichkeit auf den Turm
der Marienkirche zu steigen, um von der Aussichtsplattform einen Blick über die Altstadt von zu genießen.
Imposant ist auch das Ziffernblatt der Kirche, welches einen Durchmesser von fünf Metern besitzt. Dreimal am Tag
erklingt das Glockenspiel der Marienkirche, welches zu den größten im norddeutschen Raum gezählt wird.